14 Prinzenstrasse

Verortung in der Stadt. Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.
  • Axonometrie des Hauses M 1:200. Die Zeichnungen basieren auf Bestandsplänen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Verortung im Block. Die Bestandspläne stammen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt.
    Hervorhebung: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Außenansicht. Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Innenansicht: Die Ferienwohnung ist mit Küche, Wohn- und Esszimmer, Schlafzimmer und Bad voll ausgestattet.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Innenansicht: Die Ferienwohnung ist mit Küche, Wohn- und Esszimmer, Schlafzimmer und Bad voll ausgestattet.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Grundriss Erdgeschoss M 1:200. Die Zeichnungen basieren auf Bestandsplänen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt. Sie zeigen einen Planungsstand zu einem bestimmten Zeitpunkt und somit nicht unbedingt den heutigen gebauten Stand.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

Ferienwohnung mit Gewerbe im EG
Nutzung: Wohnen, Arbeiten und Beherbergen
Grundstück: 185 m²
Bebaute Fläche: 135 m²
Geschosse: 2 und Dach
Bewohner*innen: bis zu 4 temporär
Besitzverhältnisse: Eigennutzung

Familie F. wohnt gemeinsam mit ihren drei Kindern in einem 3-stöckigen Haus in der Nähe des Bahnhofes in Friedrichstadt. Das Erdgeschoss vermieten sie als eigenständige Wohnung, während sie die beiden oberen Stockwerken selbst bewohnen. Das Modell der dauerhaften Wohnungsvermietung habe Familie F. zunächst auch für das Obergeschoss ihres Geschäftshauses in der Prinzenstraße vorgeschwebt, sie hätten sich letztendlich aber aufgrund von unterschiedlichen Erfahrungen aus der dauerhaften Vermietung für eine temporäre Vermietung als Ferienwohnung entschieden. Über einen Makler sei die Familie zu dem Objekt in der Prinzenstraße gelangt. Vor der eigenen Geschäftsgründung habe Frau F. auf Stundenbasis in einem Schuhgeschäft am Stadtfeld gearbeitet. Nachdem das Gebäude erst zur Vermietung und dann zum Verkauf stand, habe Familie F. zunächst überlegt, dies zu mieten, entschied sich aber aufgrund des Preises und den merklichen Problemen aufsteigender Feuchtigkeit dagegen. Das Anfang 2016 erworbene Geschäftshaus in der Prinzenstraße besteht aus zwei Häusern, die sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss vor längerer Zeit zusammengefügt wurden. Zwei Seitenflügel verlängern das Gebäude nach hinten, während ein dritter Anbau die beiden Seitenflügel schließt, wodurch ein Innenhof gebildet wird. Im Erdgeschoss befindet sich das Schuhgeschäft von Frau F., während das Obergeschoss als Ferienwohnung ausgewiesen ist.
Herr F. erinnert sich aus seiner Kindheit an die Bäckerei, die früher hier gewesen sei. Verkauft worden sei zur Straße hin, der zweigeschossige Seitenflügel im Erdgeschoss habe als Backstube gedient. Im Obergeschoss des Anbaus wurde gewohnt und dort habe der Bäckermeister außerdem Chinchillas gezüchtet. Aus Erzählungen weiß Frau F., dass das Gebäude später als Wohn- und Geschäftshaus genutzt worden sei. Die ehemalige Backstube des Anbaus sei als Schlaf- und Kinderzimmer genutzt und auch das gesamte Obergeschoss sei bewohnt worden, während das Erdgeschoss dem Verkauf gedient habe. Heute wird das ehemalige Schlafzimmer als Schuhlager genutzt. Ein vor ca. 37 Jahren eigens entworfener und gebauter Kamin, welcher heute noch im Ladengeschäft zu sehen ist, ist sozusagen „Zeitzeuge“ der Geschichte dieses Wohn- und Geschäftshauses. Familie F. weist diesen mit einem Hinweis vor ihrem Geschäft als eine Art Ausstellungsstück aus, sodass neben den Kunden des Schuhladens auch „Kamininteressierte“ in den Laden kämen. Die Familie F. nutzt das Erdgeschoss seit etwa einem Jahr als Schuhladen. Das Obergeschoss vermieten sie als Ferienwohnung. Über eine eigene Website bewirbt Familie F. die Ferienwohnung, möchte diese aber nun auch über die Touristeninformation in das Buchungssystem mit einpflegen lassen. Renoviert habe Familie F. das gesamte Obergeschoss des Haupthauses, teilweise in Eigeninitiative, ebenso hätten sie auch den Innenhof neu ins Gefälle gelegt und gepflastert. Zugänglich ist die Ferienwohnung über einen Zugang, der hinter der Ladenkasse liegt und zum Schuhlager führt. Ein weiterer, für die Ferienwohnungsgäste separater Zugang erfolgt über einen Flur rechts des Schuhladens. Über den offenen Innenhof gelangt der*die Besucher*in wieder zurück in das Gebäude und befindet sich wieder im Flur hinter der Ladenkasse. Hier liegt die Treppe, die ins Obergeschoss führt. Steigt man diese hinauf, findet man sich in einem kleinen Vorflur wieder. Von dort aus geht es rechts in die Ferienwohnung und links über eine Art schmalen Wintergarten mit Blick in den Innenhof in das Obergeschoss des zweigeschossigen Anbaus. Die Ferienwohnung beinhaltet zwei Schlafräume, ein Wohn- und Esszimmer, eine separate Küche und ein Bad. Alle Räume sind über einen Flur erschlossen. Die beiden Schlafzimmer liegen sich gegenüber. Dazwischen ist das Bad, welches durch ein Oberlicht im Dach Tageslicht erhält. Der Schlafraum der zur Prinzenstraße liegt, ist mit einem Doppelbett ausgestattet, während der Schlafraum zum Innenhof eine ausklappbare Couch enthält. Schaut man aus dem Schlafzimmer mit der ausklappbaren Couch in den Innenhof, fällt der Blick auf einen eingeschossigen Anbau. Hier befinden sich ein Lagerraum und das Gäste-WC für die Kunden des Schuhladens. Das Dach des Anbaus habe repariert werden müssen, dabei sei die Dachterrasse rückgebaut worden. Die Nachbarin von Familie F. sei damit sehr zufrieden, da sie seit dem Rückbau der Terrasse und insbesondere der recht robust ausgeführten Geländerpfosten wieder in ihren gesamten Innenhof Sonne erhalte. Dennoch wolle Herr F. die Dachterrasse zusammen mit einem Balkon zum Innenhof wieder neu ausführen lassen, sodass in der Ferienwohnung über Schlafraum und Wintergarten eine Verbindung entstehe. Gleichzeitig beinhalte die Absprache zwischen Nachbarin und Herrn F., dass die Dachterrasse ein Drittel der gesamten Fläche des Anbaus umfassen werde und dass die Geländer schmal ausgeführt würden. In Planung befinde sich auch das Obergeschoss über dem zweigeschossigen Anbau. Betreten wird dieses über den Wintergarten. Aktuell wird der Raum über dem Schuhlager als Abstellraum genutzt. Die Planung sehe vor, den Raum als Gästezimmer für Freunde und Bekannte auszubauen. Angrenzend an den Raum befindet sich ein Bad, welches nach einem Wasserschaden bereits komplett saniert worden sei. Da es sich bei den Anbauten meist um Lagerräume handelt, müsse bei einem Ausbau zu Gästezimmern eine Dämmung der Außenwände in Betracht gezogen werden.
Der Innenhof wird unterschiedlich genutzt. Er ist Erschließung für die Ferienwohnungsgäste und für das Ehepaar F., wenn dieses zu den beiden kleinen Lagerräumen in den Anbauten gelangen möchte. Des Weiteren organisiere Familie F. kleine öffentliche Flohmärkte im Innenhof. Sie verkaufen dann Dinge, die sowohl aus dem eigenen Fundus als auch aus dem Haushalt der Nachbarin von der anderen Seite der Prinzenstraße stammen. Diese gebe immer wieder unentgeltlich Gegenstände zum Verkauf an Familie F. Die Besucher*innen des Flohmarktes erhielten über das Ladengeschäft Zugang in den Innenhof. Das Anpassen der einzelnen Räume, Bereiche und Gebäudeteile an den aktuellen Gebrauch führt zu räumlichen Überschneidungen der einzelnen Nutzer*innen. So treffen Gäste der Wohnung über den Zugang zur Ferienwohnung, der gleichzeitig Zugang zum Gäste-WC des Ladengeschäftes ist, möglicherweise auf Kund*innen des Schuhladens. Der Treppenaufgang zur Ferienwohnung ist gleichzeitig Verbindung zum Schuhlager, sodass Gäste und Frau F. sich möglicherweise treffen. Durch Familie F. organisierte Aktionen wie die Ausweisung des sehenswerten Kamins im Ladengeschäft und öffentliche Flohmärkte im Innenhof des Gebäudes führen zu weiteren Begegnungen unterschiedlicher Akteure sowie zu Öffnungen und Erweiterung vormals funktionszugewiesener Räume.