15 Am Fürstenburgwall

Verortung in der Stadt. Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.
  • Axonometrie des Hauses M 1:200. Die Zeichnungen basieren auf Bestandsplänen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Verortung im Block. Die Bestandspläne stammen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt.
    Hervorhebung: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Außenansicht. Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Außenansicht: Den barrierearmen Zutritt hat Familie S. mit einer Klingel und persönlicher Hilfestellung gewährleistet.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Innenansicht: Das Seil bildet eine Grenze zwischen öffentlich zugänglichen und privaten Räumen.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

Wohnhaus mit Gewerbe im EG
Nutzung: Wohnen und Arbeiten
Grundstück: 290 m²
Bebaute Fläche: 155 m²
Geschosse: 3
Bewohner*innen: 5
Besitzverhältnisse: Miete

Frau und Herr S. wohnen mit ihren drei Kindern Am Fürstenburgwall. Eine kurze Treppe führt zum Eingang des Hauses, der im Hochparterre liegt. Die Besucherin betritt zunächst die Buchhandlung, die von Herrn S. geführt wird und offen übergeht in die von Frau S. geführte Verkaufsfläche für Keramikarbeiten. Im ersten Obergeschoss befinden sich die Keramikwerkstatt von Frau S. sowie die privaten Wohnräume, in denen die Kinder oft spielen, erzählt Herr S., während die Eltern sich unten aufhielten. Abends komme die Familie im Wohnzimmer zusammen. Die Schlafräume befinden sich im zweiten Obergeschoss. Nur die Küche der Familie liegt auf demselben Geschoss wie der Laden. So gehe die Familie jeden Morgen einmal durch den Verkaufsraum, bevor das Geschäft geöffnet würde, um in die Küche zu gelangen. Wenn die Kinder mittags von der Schule nach Hause kämen, esse die ganze Familie gemeinsam in der Küche, so dass sie das Geschäft im Auge behalten können. Das gemeinsame Essen sei der Familie besonders wichtig.

Das Gebäude hat vor allem im Kontext des Fünfgiebelhauses geschichtliche Relevanz. Herzog Friedrich III beauftragte den Bau persönlich und sein Stadtverwalter bezog nach Fertigstellung den westlichen Teil des Ensembles. Das Beispiel des Fürstenburgwalls 11 zeigt eine mögliche Umgangsweise im Kontext des Denkmalschutzes, vor allem im Gegensatz zu dem Haus von Frau C. Am Fürstenburgwall. Dieses gehört ebenfalls zum Fünf-Giebel-Haus, kann aufgrund von fehlender Einigung zwischen den unterschiedlichen Parteien und der fehlenden Finanzierung jedoch nicht saniert werden und droht mittlerweile einzustürzen. Dadurch, dass die Stadt Eigentümerin der Hausnummer geworden ist, konnte sie hier eingreifen. Das Gebäude wurde saniert und wird nun durch die Mieter*innen gepflegt und nach außen geöffnet, so dass auch andere Menschen vom Denkmalschutz profitieren.

  • Exkurs zu der Geschichte des Fünfgiebelhauses am Fürstenburgwall. Jockenhövel, Klaus. Zur Geschichte des Fünf-Giebel-Hauses, unveröffentlichtes Manuskript, Stadtarchiv Friedrichstadt, Hausakte Fürstenburgwall 11.

  • Exkurs zu der Geschichte des Fünfgiebelhauses am Fürstenburgwall. Jockenhövel, Klaus. Zur Geschichte des Fünf-Giebel-Hauses, unveröffentlichtes Manuskript, Stadtarchiv Friedrichstadt, Hausakte Fürstenburgwall 11.

  • Exkurs zu der Geschichte des Fünfgiebelhauses am Fürstenburgwall. Jockenhövel, Klaus. Zur Geschichte des Fünf-Giebel-Hauses, unveröffentlichtes Manuskript, Stadtarchiv Friedrichstadt, Hausakte Fürstenburgwall 11.

  • Exkurs zu der Geschichte des Fünfgiebelhauses am Fürstenburgwall. Jockenhövel, Klaus. Zur Geschichte des Fünf-Giebel-Hauses, unveröffentlichtes Manuskript, Stadtarchiv Friedrichstadt, Hausakte Fürstenburgwall 11.

  • Die Giebel des Fünfgiebelhauses sind heute nur noch vier und aus dem Hinterhof zu erkennen. Aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt.

Die Stadt vermietet das Gebäude Am Fürstenburgwall unter der Bedingung, dass es in Teilen der Öffentlichkeit zugänglich sein muss. Als die Stadt das Gebäude kaufte, sanierte sie es denkmalgerecht und plante, es als Museum zu nutzen. Der Vorbesitzer hatte das Gebäude 1976 zu drei separaten Wohneinheiten umgebaut und hierfür die Treppe aus der Mitte des Hauses zur Straße hin verlegt. Jedes Geschoss war nun eine abgeschlossene Wohneinheit. Diese Umbauten wurden 1997 rückgängig gemacht und ein offenerer Grundriss entwickelt. Statt das Gebäude als Museum zu nutzen, entschied die Stadt, es als eine Einheit zu vermieten. Zunächst entstand hier ein Café in Verbindung mit einer Galerie. Danach zog Herr F. ein. Der Künstler habe sich die Räume im zweiten Obergeschoss als Schlaf- und Wohnräume eingerichtet, berichtet Herr S. Das erste Obergeschoss sowie das Hochparterre habe er als Atelier und Ausstellungsfläche genutzt. Dadurch seien die Räume der Öffentlichkeit zugänglich gewesen. Seine Küche sowie das private Wohnzimmer habe er ebenso im Hochparterre zum Garten hin als abgeschlossene private Räume genutzt.

Familie S. übernahm das Haus 2014 und behielt die Aufteilung der Räume zunächst bei. Im unteren Geschoss lagen also weiterhin Wohnzimmer sowie Küche. Der öffentlich zugängliche Teil des Hochparterres wurde zum Verkaufsraum der Buchhandlung. Im ersten Obergeschoss richteten sie Werkstatt und Ausstellungsfläche der Töpferei ein, im zweiten Obergeschoss beließen sie Schlaf- und Kinderzimmer.

  • Schnitt des Hauses M 1:200. Die Zeichnungen basieren auf Bestandsplänen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Ansicht des Hauses M 1:200. Die Zeichnungen basieren auf Bestandsplänen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Axonometrie des Hauses und Nebenhäuser M 1:200. Die Zeichnungen basieren auf Bestandsplänen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt. Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Grundrisse M 1:400. Die Zeichnungen basieren auf Bestandsplänen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt. Sie zeigen einen Planungsstand zu einem bestimmten Zeitpunkt und somit nicht unbedingt den heutigen gebauten Stand.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Grundrisse M 1:200. Während sich der Verkaufsraum der Keramik und der Buchladen im erhöhten Erdgeschoss des Hauses befinden, liegt der Keramikwerkstatt im 1. Obergeschoss zusammen mit Räumen der privaten Nutzung. Die Küche wiederrum befindet sich im Erdgeschoss des Hauses. Die Zeichnungen basieren auf Bestandsplänen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadt. Sie zeigen einen Planungsstand zu einem bestimmten Zeitpunkt und somit nicht unbedingt den heutigen gebauten Stand.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Innenansicht: Der Zugang zur Küche liegt hinter der verschlossenen Tür.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Innenansicht: Der Buchladen und der Verkaufsraum des Keramikgeschäfts befinden sich im erhöhten Erdgeschoss des Hauses.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

Diese Verteilung der Räume habe bedeutet, dass Besucher*innen des Keramikladens eine weitere Treppe gehen mussten und die beiden Ladenflächen nicht von einer Person gleichzeitig betreut werden konnten, da sie sich über zwei Stockwerke verteilten. Zudem seien die Trennung von öffentlichen und privaten Räumen nicht für alle Kundinnen eindeutig lesbar gewesen. So habe die Familie eine klare Trennung zwischen ihren Wohnräumen und d*en öffentlich zugänglichen Räumen gestaltet, indem sie das Wohnzimmer aus dem Hochparterre in das 1. Obergeschoss legten. Nun sei unten die Möglichkeit gegeben gewesen, im bisherigen Wohnzimmer die Ausstellungsfläche der Töpferei einzurichten und diesen Raum zu öffnen. Dadurch entstand ein großer Verkaufsraum. Der Laden war auf das Hochparterre beschränkt und das 1. und 2. Obergeschoss waren nur noch für die Familie zugänglich. Vom Verkaufsraum führt eine Treppe hoch zum Wohnzimmer. Die beiden Räume sind nicht durch Wände oder eine Tür getrennt. Auch die Werkstatt von Frau S. befindet sich im ersten Obergeschoss. Die Küche blieb als abgetrennter Raum im Hochparterre erhalten. Manchmal wünsche sich Familie S., diese ebenfalls in ihre privaten Geschosse zu integrieren, sehe in der bestehenden Aufteilung jedoch auch viele Vorteile, wie z.B. die Möglichkeit, dass sie auch während sie im Laden sind, kurz in die Küche gehen und parallel schon das Mittagessen vorbereiten können.