Wissensbestände verfügbar machen

Katalog und vertiefende Fallstudien

Entstanden ist während der drei Schools und der weiteren Forschung ein Katalog, der eine erste Bandbreite von unterschiedlichen Fallstudien in Form von kurzen Wohnbiographien – sowohl ausgehend von der Darstellung verschiedener Nutzungen und Gebäudegrößen als auch unterschiedlicher Nutzer*innen und Nutzungsweisen und ihren jeweiligen Geschichten - aufzeigt. Aus dem Katalog exemplarisch ausgewählte Fallstudien bilden dabei Vertiefungen die zusätzliches Material zur Hausstruktur hinzuziehen und umfangreichere Beschreibungen zu den Bewohner*innen aufweisen. Das erhobene Material der drei Maßstabsebenen Stadt/Block, Block/Gebäude und Gebäude/Zimmer in der Betrachtung der verschiedenen Zeitschnitte von Vergangenheit und Gegenwart dient dabei als Wissensgrundlage für die Auswertung und das Ausloten möglicher Zukünfte.

Zu jedem Eintrag im Katalog der Fallstudien gibt es als Überschrift eine Nummer und den Straßennamen, einen Steckbrief mit Daten und Zahlen, eine Verortung in der Stadt sowie im Block, eine isometrische Zeichnung, ein Außenfoto und zwei Innenfotos sowie einen beschreibenden Text, der vor allem auf den Gebrauch des Hauses mit seinen Räumen als im Block und in der Stadt verortet eingeht.

Nummer und Straßenname: Die Nummer und der Straßenname zu jedem Katalogeintrag als Überschrift dient der Sortierung und ist mit der dem Katalog voran gestellten Liste und Übersichtskarte verknüpft. Die Liste stellt die während der drei Schools und der Forschung in Betracht gezogenen Kontakte der möglichen Fallstudien dar. Ausgehend von den mit Studierenden durchgeführten Schools wurden die während der Schools und darüber hinaus entstandenen Kontakte in eine Liste überführt und in einer Übersichtskarte von Friedrichstadt verortet. Um eine möglichst hohe Bandbreite an Fallstudien zu erhalten, wurde die Liste und die Übersichtskarte dann nach spezifischen Interessen ergänzt.

Steckbrief: Der Steckbrief gibt einen ersten Überblick über den Fall mit den für uns zu diesem Zeitpunkt relevanten und zur Verfügung stehenden Zahlen und Daten. Uns haben dabei die Geschossigkeit und das Verhältnis von überbauter zu freier Grundstücksfläche interessiert. Zusammen mit der Anzahl der dauerhaften und der temporären Bewohner*innen gibt dies Aufschluss über die bereits vorab vermuteten (siehe statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein 2016: durchschnittliche Wohnungsgröße 91,5 qm), den Bestandsgebäuden innewohnenden Flächenpotenziale. Die Nutzungen innerhalb der Häuser ausgehend der beruflichen und privaten Tätigkeiten der Bewohner*innen geben Aufschluss über die Aushandlungen zwischen Wohnen und Arbeiten, zwischen mehreren Generationen und/oder zwischen dauerhaften und temporären Gästen und deren Aneignung und Gebrauch der jeweiligen Häuser. In diesem Zusammenhang sind dabei auch die Besitzverhältnisse (Eigennutzung oder Vermietung) interessant.

Verortung Ebene Stadt: Die Verortung auf der Ebene Stadt zeigt Friedrichstadt reduziert auf seine Blöcke und Straßen. Durch die Punktmarkierung wird sichtbar, in welchem Block die Fallstudie in der Stadt liegt; sie dient somit der Orientierung innerhalb der Stadt.

Verortung Ebene Block: Die Verortung auf der Ebene des Blocks zeigt die Struktur eines einzelnen Blocks als Lageplan mit Ansichten. Die eingefärbte Fläche markiert auf der Ebene Block die Fallstudie. Erkennbar werden hier die Lage des Gebäudes innerhalb des Blocks und die angrenzenden Freiflächen, die Gärten, Hinterhöfe und dazugehörigen Nebengebäude. So war es uns auf dieser Ebene bei der Auswahl der Fallstudien wichtig, diese in möglichst vielen unterschiedlichen Blöcken zu lokalisieren. Denn sowohl die verschiedenen Blöcke an sich als auch die Struktur innerhalb eines Blocks weisen unterschiedliche räumliche und organisatorische Gegebenheiten auf. Einige Blöcke integrieren öffentliche Nutzungen wie den Friedhof hinter dem Museum Alte Münze am Mittelburgwall oder dem Durchgang zum hinteren Eingang des Rathauses über die Stadtbücherei durch den Blockinnenbereich von der Kirchenstraße aus. Des Weiteren weisen einige Parzellen eine sehr tiefe Bebauung auf und, oder haben im Innenhof zusätzliche niedrigere Einzel- und Anbauten. Außerdem ist zwischen Gebäuden an der Block- und Straßenecke und Gebäuden, die an eine der Grachten grenzen und damit direkten Wasserzugang haben, zu unterscheiden.

Isometrische Zeichnung: Die isometrische Zeichnung zeigt die Gebäudekubatur mit, wenn vorhanden, den angrenzenden Nebengebäuden reduziert auf ihre wesentlichen und besonderen Elemente des Gebäudes und die durch den jeweiligen Nutzer oder Nutzerin sichtbaren Aneignungen und Gebrauchsspuren wie Bepflanzungen, Bänke, Schilder, des Weiteren die städtischen Infrastrukturen wie Gehsteige, Straßenlaternen, Abfalleimer. Alle Darstellungen sind in einem einheitlichen Maßstab (1:200) dargestellt und erlauben somit eine Vergleichbarkeit in der Dimensionierung unterschiedlicher Häuser in der Stadt.

Außenbildaufnahmen der Gebäude: Die Außenbildaufnahmen geben Aufschluss über die Materialität und die Gegebenheiten und den Zustand des Gebäudes zum Zeitpunkt der Aufnahme. Erfasst werden kann aus der Perspektive der Straße ausschließlich ein Teilbereich des Gebäudes, während die Isometrie die Gesamtkubatur des Gebäudes darstellen kann.

Innenbildaufnahmen der Zimmer: Die Innenbildaufnahmen der Zimmer zeigen vor allem die Gebrauchsgegenstände in ihrer Materialität in den jeweils unterschiedlichen Zimmern. Hier werden Aneignung und Gebrauch der Zimmer und Häuser durch die jeweiligen Bewohner*innen sichtbar.

Text: Auf Basis von Gesprächen, Erzählungen, Interviews, Beobachtungen und Hausführungen, die sowohl innerhalb der drei Schools als auch im weiteren Verlauf der Forschung stattgefunden haben, entstehen kurze Beschreibungen der Bewohner*innen und ihren Häusern. Hier versammeln sich unterschiedliche Zeitschnitte aus Vergangenheit, Gegenwart und möglicher oder angestrebter Zukunft zu einer Erzählung.

Zu jedem Eintrag in den Vertiefungen der Fallstudien werden die aus dem Katalog bekannten Formate durch Zeichnungen der Grundrisse, der Schnitte und Ansichten, sowie mit Material aus dem Stadtarchiv ergänzt.

Grundrisszeichnung: Die Grundrisse geben Aufschluss über die Struktur des Hauses. Wie stehen die Zimmer in Verbindung zueinander und im Verhältnis zum Gebäude? Durch das Aufzeigen unterschiedlicher Grundrissstände aus verschiedenen Zeiten werden etwaige Umbaumaßnahmen nachvollziehbar sichtbar.

Schnittzeichnung: Schnittzeichnungen zeigen die Struktur des Gebäudes insbesondere im Verhältnis zu den Nachbargebäuden und geben Aufschluss über implizite Möglichkeiten von Umbaumaßnahmen über beispielsweise mehrere Häuser hinweg.

Ansichtzeichnung: Die Zeichnung der Ansichten lässt im Vergleich zu einem Foto die besonderen und wichtigen Merkmale der Hausfassaden noch einmal deutlich hervortreten.

Archivmaterial: Der Zugang zum Stadtarchiv Friedrichstadt bietet eine Sammlung unterschiedlichster Quellen zu den einzelnen Gebäuden der Stadt sowie zur Stadtstruktur in ihrer Gewordenheit. Nur mit Hilfe der vorhandenen Bestandszeichnungen der Häuser zusammen mit den aktuellen Fotos und Filmaufnahmen war es möglich, Grundrisse, Ansichten und Schnitte zu erstellen. Zusätzliches informatives Material, wie bereits von Bewohner*innen Friedrichstadts zusammengetragene Recherchen zu den einzelnen Häusern der Stadt, ist je nach Verfügbarkeit den Fallstudien zugeordnet.

Weitere in der Forschung verwendete Formate sind Luftbildaufnahmen aus dem Stadtarchiv Friedrichstadts und das Filmmaterial, welches in den drei Schools 2016, 2017 und 2018 produziert worden ist.

Luftbildaufnahmen: Luftbildaufnahmen unterschiedlicher Zeit-
schnitte geben Aufschluss über die Gebäude- und Blockstruktur sowie die vorhandene Begrünung, insbesondere der in der Regel nicht zugänglichen Hinterhofbebauung und dienten uns zusätzlich bei der Lokalisierung und Auswahl der einzelnen Fallstudien.

Videographie: Videographie oder Film als Methode der Forschung dient uns sowohl zur Kommunikation während der Forschung, als Repräsentation im Rahmen der erstellten Kurzfilme, als Datenmaterial zur Weiterbearbeitung in verschiedene Formate und als Informationsträger zur Rekonstruktion der Zeichnungen. Darüber hinaus erzählen die kurzen Videos Geschichten; Geschichten der Bewohner*innen, der Gebäude, von Dingen und Möbeln in den Häusern, von Architektur und Anpassung, von urbanen Prozessen und Entwicklungen. Zugleich können bestimmte Situationen betrachtet werden, um Dinge, Räume, Schwellen und Handlungen zu vergleichen. Das Schneiden der Videos erlaubt das Katalogisieren von Eingangssituationen, Schlafmöglichkeiten und Schlafzimmern, Essbereiche und Assemblagen; wie Fensterbänke mit Pflanzen und Utensilien, Regale mit Vasen, Fotografien und Kerzen, Bildanordnungen an Wänden, die Organisation von Büchern und persönlichen Gegenständen in Regalen und auf Tischen, die Anordnung der Möbel, die Beleuchtung, die Spuren von älteren Versionen der Gebäude (z.B. wo Mauern eingerissen oder ehemalige Garagen in Ateliers umgewandelt wurden etc.). Weil diese Kataloge anhand der Outtakes der Videos entstanden, dient das Filmmaterial für die Erfassung typischer Alltagsaktivitäten, die im Haus stattfinden. Zum Beispiel Geschirrspülen, die Haustür öffnen, in den Garten gehen, die Treppe hinunterlaufen etc. Hierbei liegt der Fokus auf der Architektur im Gebrauch.