5 UdN Forschung

Vorführung des im Rahmen von »Explore Wilhelmsburg« entstandenen Films »Keine Ahnung« auf dem Festival »abgedreht! – Hamburgs Junger Film« im Metropolis Kino, St. Georg, Winter 2009.
Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

UdN – Explore Wilhelmsburg

Wie lassen sich Alltagswelten und Alltagsräume Jugendlicher
aus Hamburg-Wilhelmsburg sicht- und erfahrbar machen und wie kann ein Projekt mit Jugendlichen an informellen Bildungsprozessen ansetzen und an den Schnittstellen von Stadtentwicklung-Bildung-Kultur wirken?

Im Projekt UdN – Explore Wilhelmsburg wurde von Jugendlichen die Kurzfilmrolle Wilhelmsburg produziert, ein Episoden-Film und fragmentarische Erzählung: Jugendliche filmten ihr alltägliches Unterwegssein und Umherschweifen und erzählen aus und von ihrem Lebensalltag in Hamburg, in Wilhelmsburg. Sie machen sicht- und erfahrbar, welche Räume für sie in der Stadt und im Stadtteil wichtig sind, welche Bedeutungen diese haben und welche Rolle sie darin spielen. Gemeinsam mit den Jugendlichen wurde aus der Reflexion ihrer produzierten Kurzfilme ein performatives und diskursives Format – die Kurzfilmrolle Wilhelmsburg On Tour – entwickelt und inszeniert, in dem die Jugendlichen ihre Filme von ihnen eingeladenen Experten ihres Alltags und ausgewählten lokalen Experten aus der kommunalen Planung, Kultur, Politik, Bildung und Forschung zeigten.1

UdN-Explore Wilhelmsburg orientiert sich im Sinne eines konzeptionellen Arbeitens an den Anforderungen und Regeln einer Offenen Jugendarbeit, in der u.a. versucht wird, für die Beteiligten aus scheinbar banalen Alltagssituationen vielfältige Bildungs-Bedeutungen abzuleiten. Verkürzt und konkret heißt das: Gelernt wird, wenn sich die Akteure in Situationen wiederfinden, die an ihre körperlich-mentalen Schemata des Wahrnehmens, Erkennens und Beurteilens anschließen, sie aktivieren und damit sozusagen die Aneignung des Raums hervorrufen. Das ist besonders in Zusammenhängen wichtig, in denen formalisierte Bildung kaum vorauszusetzen ist: Je mehr Wissen marginalisiert, je weniger auf einen Formenkanon zurückzugreifen ist, desto wichtiger wird die Relation des Wissensterrains und deren Bezug zu einer Ausübung und Artikulation von Wissenspraktiken. Das bedeutet, einer Topologie zu folgen, die nicht Formen anwendet – es sind ja keine da –, sondern den Wissensraum auf Ermöglichungsstrategien hin auslotet.2

In der Anwendung des Mediums Film erfolgt die Aufzeichnung alltäglicher oder durch Inszenierung überzeichneter Handlungsmuster als performative, relationale Verläufe. Die szenischen Interventionen, die durch den Akt des Filmens ausgelöst werden, lösen Irritation aus und erschließen durch die bewusste Situationsverfremdung einen Untersuchungsraum. Durch ihre Darstellung werden die Handlungsverläufe erst rezipierbar. Mittels Einsatz von Bearbeitungstechniken können einzelne Aspekte hervorgehoben, Verhältnisse neu verknüpft werden, Zusammenhänge beschleunigt, aber auch verlangsamt werden. Auf dieser Grundlage wird eigenes Handeln reflexiv. Der Schwerpunkt liegt also nicht vordergründig auf dem künstlerischen Ausdruck des filmischen Produkts, sondern auf der eigentlichen Tätigkeit und Artikulation (Performanz) in jeder Projekt- und Arbeitsphase. Das Ziel ist somit die Koordinierung dieses offenen Prozesses als gestaltendes Moment von Handlungsverläufen, die erst damit erweiterte Kontaktebenen zur gegenwärtigen Realität herzustellen vermögen.

Das Projekt entstand mit Schülern der Freien Schule Hamburg e.V. und der KurzFilmSchule Hamburg in Kooperation mit der UdN von Oktober 2009 bis März 2010.

»UdN– Explore Wilhelmsburg« ist ein Modellvorhaben im ExWoSt-Forschungsfeld »Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere« – Forschungsprojekt »Jugendliche im Stadtquartier«. »Experimenteller Wohnungs- und Städtebau« (ExWoSt) ist ein Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Screenshots aus den im Projekt »Explore Wilhelmsburg«
entstandenen Kurzfilmen, Winter 2009.


Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.
  1. Am 21. Januar 2010 quetschen wir uns mit Anja durch Menschenmassen, stellen wir uns mit Dadisse Fragen nach Liebe und Geld, zeigen Monti, Jerome und Franco uns »ihren Platz«, erleben wir Halim, Erol und Toni als DESPERATE DEALERS, dreht Hülya ihren Stimmungsring. (...) Gehen Sie mit den SchülerInnen auf eine theatrale Reise zu den Originalschauplätzen ihrer Kurzfilme und auf Spurensuche nach den Bezügen zu ihrem Alltag des Umherschweifens in Hamburg-Wilhelmsburg. > Aus der Einladung zur Kurzfilmrolle Wilhelmsburg On Tour an ausgewählte Experten
  2. Maybe we could have a look at a map?
    • But do we have one?
    • No.
    • O.K., let´s go this way, it looks a kind of nice!
    • »Learning by doing«: Die Jugendlichen wollen eigentlich immer sofort loslegen, ohne lange, einleitende oder ermahnende Vorreden oder Diskussionen. Und diese Möglichkeit sollen sie erhalten. Die Projektbetreuenden und Fachleute sind da und unterstützen, wenn sie nicht mehr weiterkommen. Das ist zentral für das methodische Vorgehen in einem Lernprojekt, wie in einem Projekt der Offenen Jugendarbeit und im Projekt UdN-Explore Wilhelmsburg.
    In der Übung filmischer Erzählung – sei sie dokumentarisch oder inszeniert – wird mit der selbst motivierten Handlungsweise ein Habitus des Stadtlesens entwickelt, der direkt an die Produktion von Raum gekoppelt ist.