3 UdN Lehre

Studentisches Arbeiten in der UdN, Sommer 2009.
Quelle: Lehr- und Forschungsrogramm Urban Design.

Die Behauptung des Projekts – spulen wir zurück: die erste Phase beginnt mit der Behauptung der UdN als Projekt, das seine Programmatik aus sich selbst entfaltet. Wie aber beginnt man ein Projekt als offene Suchbewegung unter Beteiligung vieler unterschiedlichster Akteure? Die formelle Rahmung des Projekts entsteht in lang andauernden Prozessen und findet in Verträgen und Vereinbarungen zwischen den beteiligten Partnern und Förderern ihre Form. Die Wiederinbetriebnahme, Transformation und Nutzung eines seit gut zehn Jahren ruhenden Gebäudes bedingt die Einholung von Genehmigungen und die Klärung versicherungsrechtlicher Fragen sowie logistische Planungen und Steuerungen der baulichen Maßnahmen. Schließlich ergeben sich mit der Vorbereitung und Durchführung der Eröffnungsveranstaltung im Sommer 2009 organisatorische Zusammenhänge für die programmatische Aktivierung des Raums.

Arbeitsweisen

Unter der Fragestellung, welche Studierenden wann und wie eingebunden werden können, werden mit ersten Lehrangeboten im Wintersemester 2008/2009 die Möglichkeiten innerhalb curricularer Rahmenbedingungen der unterschiedlichen Studiengänge ausgelotet. Auch wenn im ersten Durchlauf nur die Disziplinen Architektur und Stadtplanung vertreten sind, ist es komplex und konfliktreich, die unterschiedlichen Arbeitsweisen, aber auch die Lehrpläne aufeinander abzustimmen. Schnell zeichnet sich ab, dass der Anspruch interdisziplinären Arbeitens in einem studentischen Selbstbauprojekt nicht unmittelbar umsetzbar sein wird. Die unterschiedlichen Aufgaben und Arbeitsbereiche müssen überhaupt erst einmal ausgemacht werden, um sie in überschaubare Einheiten den Studienprogrammen einzuschreiben. Die UdN entwickelt dabei ihr eigenes Curriculum und richtet sich mit ihren Angeboten an alle Studiengänge der HCU. Das Spektrum reicht von Wahlfächern im Bereich der baulichen Umsetzung wie der »Bauhütte« und der inhaltlichen Programmierung in der »Interkulturellen Praxis«, dem Lehrangebot in den Q-Studies mit dem »Wilhelmsburg Orchestra« bis hin zu Entwurfs- und Projektangeboten im »UdN-Studio« und »UdN-Lab«.

Die Vorgehensweise und Taktungen werden aus den je spezifischen Themen und Fragestellungen entwickelt. Ihnen gemein ist eine erste Annäherung an die Situation, in der wir mit Techniken des Dérive, der Exploration, der Expedition arbeiten, um erste Erfahrungen zu sammeln und Erkenntnisse zu gewinnen. Aus diesen mehrschichtigen Beobachtungen werden Themen destilliert, in Unterthemen zerlegt, weitere Informationen gesammelt, zusammengetragen, Kategorien zugeordnet und in Form von Katalogen wieder in eine Matrix überführt. Bei dieser Vorgehensweise geht es darum, den Studierenden zu ermöglichen eigene Interessensgebiete zu erschließen, aus denen sich Teilprojekte in der Wirklichkeit – im Maßstab 1:1 – erproben lassen, seien es bauliche Maßnahmen oder performative Ereignisse.

Zur Methode des »motive based learning«

Das »motive based learning« ist ein sich in Entwicklung befindliches didaktisches Modell, das wir im offenen Prozess erarbeiten und erproben. Dahinter steht die Arbeit an der Konzeption einer relationalen Didaktik für einen relationalen Raum. Kern dieser Vorgehensweise ist den Zugang zum »Gegenstand« Stadt durch eigene aktive Handlungsmuster zu erweitern. Dabei ginge es um die Schulung und Analyse von Wahrnehmung mit dem Ziel, die Fähigkeit zu einem neuen Sehen, Spüren, Lesen von Stadt als Situation zu erweitern. Die eigene reflexive Praxis ermöglichte, Prozessverläufe als Qualität zu erkennen.

Zugang
Das »motive based learning« versucht, die seismographische Annäherung an eine Fragestellung und das Interesse an den Anfang zu stellen, um dann das erarbeitete Motiv als Struktur für den Prozess zu verwenden. Es geht darum, Bewusstsein zu entwickeln: In welchem Kontext bewege ich mich? Welche Optionen kann ich erzeugen und wie? Wie kann ich Bewusstsein für Fragestellungen entwickeln? Wie kann ich die gewonnenen Strukturen konstruktiv in den weiteren Prozessverlauf integrieren, aus der Ressource der eigenen Motive Formen, Werke generieren, die wiederum zur weitergehenden Reflexion und Kreativität anregen? Mit de Certeau können wir sagen: Kreativität ist ein Akt des Wiederverwendens und Assoziierens heterogener Materialien. In informellen Bildungssituationen kommt es deshalb besonders darauf an, das Lernen zum Akt der Produktion und den Lernenden zum Produzenten von Werken zu machen. In der Lernsituation also den Fokus auf die Handlungsweise zu legen: Wie mache ich etwas, wie stelle ich etwas her und wie füge ich heterogene Materialien, die mich interessieren und die mir zur Verfügung stehen, zusammen?

Interkulturelle Praxis.
Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

Mindmap »motive based learning«, Vortrag von Christopher Dell während der UdN International Summer School 2009.


Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

Schulung von Wahrnehmung Ansatzpunkt und Zentrum im »motive based learning« bilden die Veränderungen der körperlichen wie psychischen Bedingungen, die sich im Laufe des Übens an den Lernenden selbst ausprägen. Ziel ist, dass z.B. die Akteure nach und nach durch die reflexive Praxis die Fähigkeit zu einem neuen Sehen, Spüren, Lesen der Stadt als Situation erwerben. Sie erlangen die Fähigkeit, ihre Wahrnehmung auf die unscheinbaren, aber für die Produktion und die Qualität des Raums bedeutsamen Phänomene zu richten und dabei gleichsam ihren eigenen Deutungshorizont nicht nur zu erweitern, sondern auch qualitativ weiterzuentwickeln. Mit der selbst motivierten Handlungsweise an und mit der UdN wird ein Habitus des Stadtlesens entwickelt, der direkt an die Produktion von Raum gekoppelt ist.

Analyse der Wahrnehmung
Die Analyse, als Untersuchung der operativen Logiken der Alltagspraxis, ist nicht mehr nur als ein Mittel zum Zweck zu verstehen, sondern wird selbst zum Zweck. Der analytische Schritt wird damit zum eigentlichen Werk erhoben. Dafür gilt es, eine Sprache zu entwickeln, eine Sprache, die sich aus dem Prozess des performativen Aneignens heraus ergibt.

Prozessqualität zeigen und verstehen
Wenn wir davon ausgehen, dass Subjekte im Prozess der Subjektivierung ihre (Lebens-) Form finden, gilt es, dies auch in der Didaktik zu berücksichtigen. Es ginge dann also darum, Prozesse zu initiieren, in denen das Selbstverhältnis der Subjekte zum Thema wird; Prozesse, in denen es etwas über eben dieses Selbstverhältnis erfährt.

  • Arbeitsphasen im Projekt, Wintersemester 2008/09.
    Quelle: Lehr- und forschungsprogramm Urban Design.

  • Arbeitsphasen im Projekt, Wintersemester 2008/09.
    Quelle: Lehr- und forschungsprogramm Urban Design.

  • Arbeitsphasen im Projekt, Wintersemester 2008/09.
    Quelle: Lehr- und forschungsprogramm Urban Design.

  • Arbeitsphasen im Projekt, Wintersemester 2008/09.
    Quelle: Lehr- und forschungsprogramm Urban Design.

  • Arbeitsphasen im Projekt, Wintersemester 2008/09.
    Quelle: Lehr- und forschungsprogramm Urban Design.

  • Arbeitsphasen im Projekt, Wintersemester 2008/09.
    Quelle: Lehr- und forschungsprogramm Urban Design.

  • Arbeitsphasen im Projekt, Wintersemester 2008/09.
    Quelle: Lehr- und forschungsprogramm Urban Design.

  • Arbeitsphasen im Projekt, Wintersemester 2008/09.
    Quelle: Lehr- und forschungsprogramm Urban Design.

  • Arbeitsphasen im Projekt, Wintersemester 2008/09.
    Quelle: Lehr- und forschungsprogramm Urban Design.

HCU International Summer School

Vor dem Hintergrund vielfältiger Alltagskulturen in Wilhelmsburg experimentiert die International Summer School mit dem Zusammenlernen, Zusammenarbeiten und Zusammenleben in dem unfertigen Gebäude der UdN.
Vielleicht ist es eben diese ungewohnte Situation der konkreten und unmittelbaren Einbindung ins Quartier, die Verbindung von universitärem Ausnahmezustand und alltagspraktischer Bewältigung, die den Studierenden improvisatorische Fähigkeiten abverlangt und in der auch berufspraktische Fragen eine andere Bedeutung und Relevanz gewinnen. Für zwei Wochen treffen hier unterschiedliche Nationen, Kulturen und Disziplinen aufeinander. Für zwei Wochen wird hier der Ausnahmezustand geprobt – und auf Stadt übertragen: 1:1, konkret, in Nachbarschaft.

Im August 2009 ist die UdN erstmalig Gastgeberin für eine International Summer School. Siebzehn Studierende aus Italien, Russland, USA und Deutschland aus den Fachrichtungen Stadtplanung, Architektur und Landschaftsarchitektur erarbeiten Themen und Projekte in und für Wilhelmsburg. Sie werden begleitet von Lehrenden der HCU und Gästen wie z.B. Jean-Phillippe Vassal aus Paris.

Learning through daily life, Projektergebnis UdN International Summer School 2009.


Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Studentisches Leben und Arbeiten in der UdN International Summer School 2009.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Studentisches Leben und Arbeiten in der UdN International Summer School 2009.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Studentisches Leben und Arbeiten in der UdN International Summer School 2009.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Studentisches Leben und Arbeiten in der UdN International Summer School 2009.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Studentisches Leben und Arbeiten in der UdN International Summer School 2009.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Studentisches Leben und Arbeiten in der UdN International Summer School 2009.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Studentisches Leben und Arbeiten in der UdN International Summer School 2009.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Studentisches Leben und Arbeiten in der UdN International Summer School 2009.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.

  • Studentisches Leben und Arbeiten in der UdN International Summer School 2009.
    Quelle: Lehr- und Forschungsprogramm Urban Design.