Experiment auf der Insel...

Autor:
René Reckschwardt
IBA Hamburg

...war der Titel eines studentischen Wettbewerbs, der im Jahre 2008 von der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg und der HafenCity Universität ausgelobt wurde und sich mit einer möglichen Umnutzung des Areals am Rotenhäuser Damm befasste. Zwölf der dreizehn Arbeiten haben damals den baulichen Bestand völlig außer Acht gelassen und Neubauten entworfen. Lediglich eine Gruppe* ging einen mutigen, anderen Weg: Sie schlugen vorsichtige Eingriffe in die bauliche Substanz vor und interpretierten das über lange Jahre leerstehende, ehemalige Gesundheitsamt als Experimentierraum für Umbauten und neue, ortsbezogene Nutzungen. Aus dieser zunächst ungewöhnlich anmutenden Idee ist im Laufe der Jahre ein Semester und Disziplinen übergreifendes Selbstbauprojekt entstanden, wie man es sich für das eigene Studium gewünscht hätte.

Experiment auf der Insel?
Eine Internationale Bauausstellung sucht im Laufe eines auf mehrere Jahre angelegten Prozesses immer ungewöhnliche Wege, setzt Innovationen, wagt Feldversuche, verursacht Reibungen und manchmal ist das Ziel bestimmter Impulse unklar. Gerade diese Freiheit und Exterritorialität abseits üblicher Verwaltungswege jedoch lässt große Spielräume und erst der Prozess gibt dem Ganzen dann eine konkrete Gestalt. Dies war im Falle der UdN besonders zu Beginn nicht immer einfach zu kommunizieren. Aber das Orchester, die Baumhäuser, das Restaurant und auch das Hotel stehen heute beispielhaft für entsprechende Spielräume, die von den zahlreichen Beteiligten intelligent aufgespürt und intensiv mit Leben befüllt wurden. Insofern stellt die Universität der Nachbarschaften sicherlich eines der ungewöhnlichsten IBA-Projekte auf den Elbinseln dar – abseits von Wohnungsbauten, Bildungs- und Kulturprojekten und Beteiligungsformaten. All diese Inhalte finden sich trotzdem in der UdN in einer Art Symbiose wieder – der experimentelle Charakter einer IBA wird quasi überhöht.

Experiment auf der Insel!
Nicht alles, was man sich vielleicht im Laufe der Jahre für das Gebäude vorgenommen hatte, konnte letztendlich umgesetzt werden. Es gab Irrwege, Sackgassen, kleine Erfolge, große Schritte, schöne Projekte, unvollendete Projekte und/aber: einen vielfältigen Prozess, in dem die zu Beginn recht vage formulierten Ziele mehr als erreicht wurden. Nicht zuletzt durch das stetige Engagement der unzähligen Beteiligten, deren Zusammensetzung und Ideen sich immer wieder neu finden mussten. Dass sich das Gebäude und die Verbindungen in den Stadtteil hinein nun kurz vor dem Abriss in »Höchstform« befinden, darf natürlich traurig stimmen. Wenn sich aber ein solch innovativer Impuls verstetigen lässt, dann auch an einem anderen Ort, mit vielleicht ähnlichen Zielen, womöglich neuen Aufgaben und einer anderen Nachbarschaft.

Wo sind eigentlich die Studierenden1 von damals?

  1. Kate Bitz, Carsten Dittus, Maximilian Müller, Nicole Raddatz, Anton ReiniKate Bitz, Carsten Dittus, Maximilian Müller, Nicole Raddatz, Anton Reinig