Up-Cycling

Autoren:
Hans Vollmer, Kai Dietrich
Studierende Urban Design

Im Rahmen des Urban Design Project 3


Das Projekt Up-Cycling in lokaler Produktion geht aus der Motivation hervor, städtische (Material)Ressourcen effizienter zu nutzen, um lokale Kreisläufe und soziale Beziehungen anzuregen. Up-Cycling beschreibt dabei den Prozess der In-Wert-Setzung von Abfällen, Nebenprodukten und Umsonstmaterialien. Durch den Einsatz von Kreativität und praktischem Wissen erhält das (scheinbar) nutzlose Material eine neue Funktion. Lokale Produktion integriert dabei Wissens- und Materialarbeiter, wobei vor allem letztere im Fokus unseres Interesses stehen. Wir sehen in der Re-Lokalisierung von materieller Arbeit und dem Up-Cycling eine Diversifizierung der städtischen Berufs- und Arbeitsfelder und eine Urbanisierung von Quartieren. Widmet man sich den Ressourcen der Stadt und erschließt Material, um es verfügbar zu machen, wird eine Zwischenspeicherung notwendig. Unser Konzept des „Gemeinsamen Speichers“ (Stock) meint die Kollektivierung unterschiedlicher Nutzer um die Zentralität eines Lagers, einer Plattform, eine Börse, einem Ort der Produktion und des Austausches.

UdN als Prototyp

Während einer intensiven Arbeitsphase an der Universität der Nachbarschaften haben wir begonnen, die UdN als einen möglichen Ort für unser Konzept des "Gemeinsamen Speichers" zu denken. Sowohl das Gebäude an sich, als auch der Einsatz von Baumaterialien folgten hier bereits dem Gedanken eines Re- und Up-Cyclings, wie wir es verstehen. Man arbeitet mit dem Bestehenden und macht es wieder nutzbar. Dazu kommen die Heizungsanlage und das Eichenparkett aus einer alten Turnhalle, die Küche ist ein Konglomerat aus Paletten und alten Möbeln, die Heizkörper wurden aus einer Abbruchbaustelle gerettet und Geschirr sowie Besteck kommen aus einer Tauschaktion mit den direkten Nachbarn.

In unseren Untersuchungen der lokalen Materialströme auf Wilhelmsburg finden wir außerdem heraus, dass viele Bewohner, vielleicht auch aus Ermangelung eines Recyclinghofes, bereits Dinge tauschen und Materialien wieder verwenden. Treppenhäuser, Gehwege und Innenhöfe werden zu informellen Tauschbörsen für Gebrauchtes.

Als einen möglichen Prototypen des Gemeinsamen Speichers schlagen wir für die UdN ein Lager in Kombination mit einem Werkhof vor, der folgendermaßen funktionieren könnte.
Die UdN verfügt über eine große befestigte Parkplatzfläche, die im Moment lediglich als Standort für einen kleinen Werkzeugcontainer dient. Diese Fläche kann durch einen 20-Fuß- und einen 40-Fuß-Container ergänzt werden, die dann eine Hofsituation bilden. Der Hof ist sowohl zum Be- und Entladen als auch zur Bearbeitung von Material geeignet. Die Fläche liegt unmittelbar an der Kreuzung zweier Quartierstraßen und wird somit Öffentlichkeit und ein Interesse bei den Passanten und Nachbarn erzeugen. Den hohen Bedarf nach Werkräumen und trockenen Lagerflächen lässt sich in Wilhelmsburg z.B. an der hohen Aktivität bei den Garagenhöfen ablesen. Der Werkhof kann dabei die Funktion einer neuen Schnittstelle zwischen studentischen Aktivitäten und denen der Nachbarn herstellen. Über Aktionen wird theoretisches und praktisches Wissen ausgetauscht und angewandt. Kinder und Jugendliche können mit dem Material experimentieren und ihre eigenen Dinge herstellen. Das jährliche Baumhausprojekt an der UdN ist dabei nur ein Beispiel, das zeigt, wie hoch das Interesse der Kinder ist, etwas herzustellen. Gleichzeitig entwickeln alle Beteiligten im Umgang und in der Auseinandersetzung mit dem Material ein Bewusstsein für dessen Wert.

In der Zwischenzeit wurden im Hof der UdN unterschiedliche Ansätze getestet. Die erste Umsetzung war der Bau eines kleinen Palettenhauses, ein Materiallager, das sich schnell und einfach aus dem Modul der Einwegpalette zusammenbauen lässt und dabei weiteren Materialien als Lagerraum dient. Im laufenden Projekt Hotel? Wilhelmsburg wurden außerdem sogenannte Harvesting Maps (Erntekarten) erstellt, die den Standort und die Verfügbarkeit von Baumaterialien systematisch aufzeichnen. Die geernteten Materialien wurden dann im UdN Hof zwischengelagert und auf der Baustelle des Hotels weiterverarbeitet.

Die Erfahrungen zeigen heute, dass der Speicherplatz immer zu klein ist, um alle "interessanten" Materialien aufzunehmen. Gleichzeitig werden immer Dinge zugetragen und angehäuft, die nie eine sinnvolle Verwendung finden werden. Es bedarf also einer permanenten Strukturierung und sensiblen Selektion der Materialien durch "Experten" in Abstimmung mit den projektierten Vorhaben, damit der Speicher auch eine wirkliche Ressource darstellt.