Forschungssituation

Sichtbarkeit

Zugänge

Schwellen

Stavros Stavrides setzt sich in seinem Buch »Towards the City of Thresholds« mit dem Begriff der Schwelle auseinander: “In contrast to the border or frontier, the threshold appears more permeable, is perhaps even facilitating the crossover as a stepping stone, a space in between. […] in the creation and social use of thresholds a potential spatiality of emancipation emerges” (Stavrides 2010: 13)1.

“Thresholds are theoretically conceptualised and observed in various contexts as dynamic spatial-temporal processes rather than set border; they are equally conceived as concepts and spatio-temporal markers, as possibilities of otherness and liminality. […] Can indeed the city of thresholds become the spatial equivalent of an emancipating project based on the negotiation between different but open identities in the process of collectively inventing the future?” (Stavrides 2010: 20)

Insbesondere das Verständnis von Schwellen als Möglichkeiten für Andersartigkeit und Übergänge führt zur Annäherung an den Kunstverein als Ort, als Verein und als Vermittler von zeitgenössischer Kunst.

„In ihrer spezifischen Andersartigkeit bringen Heterotopien an ein und dem- selben Ort mehrere Räume zusam- men, die eigentlich unvereinbar sind.“ (Foucault 2013: 14)2

APPROACH OTHERNESS!

„To be able to approach otherness in its potentially liberating comparison to dominant regulating values, means to be able to invent passages towards otherness. It also means to be able to understand otherness as a process rather than as a state. One can speak of an important art that the emancipating movements need to investigate, an ‘art of doing’ that helps people understand, discover, create and appreciate otherness.“(Stavrides 2010: 14)

ALS ORT DER FORSCHUNG ?
z.B. ein Forschungslabor, das: Gesetze konventioneller Räume und ihre Grenzen auslotet,
experimentelle Sozialraumanalyse durch Interventionen macht,
nach „Anderen Räumen“ im / um den Kunstverein sucht,
und Differenez von Orten sicht- bar macht.

Vermittlungen

  • Ausschnitt der Fotostrecke "Mann und Frau on the way to KV"

  • Standorte des Kunstvereins im Verlauf der Geschichte

Exemplarisch steht die Zusammenfassung einer Studierenden zum Kapitel What is a curator? für die Auseinandersetzung mit den Ten Fundamental Questions of Curating, das von Jens Hoffmann herausgegeben wurde und in zehn Kapiteln von verschiedenen Kurator*innen der Frage nachgeht, was Kuratieren als Praxis und in der Praxis heute bedeutet. Dabei werden der unübersichtlich gewachsenen Fülle von Publikationen über das Kuratieren auch Fehlstellen in der jüngeren Befassung mit Kunstvermittlung gegenübergestellt.
Die Essaysammlung trägt dabei einerseits selbst zur Kanonbildung bei, setzt sich aber andererseits das Ziel, den Kanon kritisch daraufhin zu überprüfen, was in der Literatur ausgelassen, ignoriert oder als bereits beantwortet betrachtet wird: »By inviting ten international curators to each propose and then address one question, Ten Fundamental Questions of Curating takes an almost tongue-in-cheek, back-to-basics approach – a return to a kind of zero-degree state – at a time when a recalibration of what a curator is and does seems both necessary and urgent.« (Hoffmann 2013:9)
Die Studierenden erarbeiteten je ein Kapitel und trugen die Zusammenfassungen im Seminar zusammen.

Foyer Zugang

Indem wir das Foyer im Spannungsfeld zwischen Black Box und White Cube näher untersuchen, befassen wir uns mit der Actor-Network Theory (ANT). Weder Theorie noch Methode im klassischen Sinne handelt es sich dabei um eine Perspektive, eine Methodologie, die es ermöglicht, das in den Dingen und Materialien liegende Handlungsvermögen in den Blick zu nehmen, es zu heben und zu mobilisieren. Anhand von Latours unter Pseudonym erschienenen Text »Die Vermischung von Menschen und Nicht-Menschen. Die Soziologie eines Türschließers« (1988)3 wurde das Programm der ANT in die Arbeitsweise im Seminar eingeführt.

“Wände sind eine nette Erfindung, aber wenn es keine Löcher in ihnen gäbe, gäbe es keine Möglichkeit, hinein- oder hinauszukommen; sie wären Mausoleen oder Gräber. Das Problem ist, dass alles und jedes hinein und hinaus kann (Bären, Besucher, Staub, Ratten, Lärm), wenn man Löcher in die Wände macht. Also haben Architekten diesen Hybriden erfunden: eine Lochwand, oft auch Tür genannt, die, obwohl sie verbreitet genug ist, mir immer wie ein Wunder der Technik vorgekommen ist. Die Klugheit dieser Erfindung hängt an ihrer Angel: Statt mithilfe eines Vorschlaghammers oder Pickels ein Loch durch Wände zu treiben, drückt man einfach sangt die Tür auf (ich setze hier voraus, dass das Schloss noch nicht erfunden worden ist; dies würde die schon hoch komplexe Geschichte dieser Tür noch verkomplizieren). Weiter – und hier ist der wirkliche Trick – muss man, nachdem man einmal durch die Tür gegangen ist, nicht nach Maurerkelle und Zement suchen, um die Wand wieder aufzubauen, die man gerade zerstört hat; man drückt die Tür einfach sanft zurück (ich ignoriere für den Augenblick die zusätzliche Komplikation der »Ziehen«- und »Drücken«-Symbole). (238)
[…]
Ich bin ein großer Fan von Angeln, aber ich muss gestehen, dass ich hydraulische Türschließer viel mehr bewundere, besonders die alten, schweren, verkupferten, die den Haupteingang unseres Hauses in Columbus (Ohio) ganz langsam schlossen. Ich bin fasziniert vom Hinzufügen eines hydraulischen Kolbens zur Feder, der sanft die Energie derjenigen, die die Tür öffnen, aufnimmt, sie hält und dann langsam mit einer raffinierten
Art unerbittlicher Festigkeit, die man von einem gut ausgebildeten Butler erwarten könnte, zurückgibt. Besonders raffiniert ist die Art, von wirklich jedem widerwilligen, ahnungslosen Passanten Energie zu ziehen. Meine Militärfreunde an der Akademie nennen eine solche kluge Abstraktion »obligatorischen Passage-Punkt«, was ein sehr passender Name für eine Tür ist; ungeachtet, was man fühlt, denkt oder tut, man muss buchstäblich etwas von seiner Energie an der Tür lassen. Das ist so schlau wie eine Mautstelle.“ (244)

Das Foyer fordert die Beschäftigung mit Eingängen, Übergängen, Ausgängen und Zugängen geradezu heraus. Anhand der übergeordneten Frage »Was machen wir hier?« betrachten wir unsere Präsenz im Ein- und Ausgangsbereich des Kunstvereins: Was ist ein Foyer? Wer und was kommt wie in einer Ein- bzw. Ausgangssituation zusammen? Welche Begegnungen lassen sich beobachten? Wer oder was ließe sich mobilisieren, stören, verändern? Welche Erwartungen werden an Ein- und Ausgangssituationen gestellt und von wem?

Die Assemblage-Perspektive fungiert als eine Art »leitende Sensibilität« (Harris 2013: 357)4 bzw. Sensibilisierung, um Prozesse der Komposition und Relation verschiedener menschlicher und nicht-menschlicher Akteure und Elemente zu erkunden. In der Versammlung dieser Akteure und Aktanten kann Raum prozessual, relational, mobil und verschieden gedacht, die Stadt als Versammlungsprozess verstanden werden. Diese Perspektive ermöglicht es, Stadt als Praxis, Materialität und Im-Werden-Begriffenes zu betrachten.

  1. Stavrides, Stavros (2010): Towards the city of thresholds. Creative Commons. Trento: professionaldreamers.

  2. Michel Foucault (2013): Die Heterotopien. Der utopische Körper. Zwei Radiovorträge. Berlin: Suhrkamp.

  3. Latour, Bruno / Johnson, Jim (1988): Die Vermischung von Menschen und Nicht-Menschen: Die Soziologie eines Türschließers. In: Andréa Belliger ; David J. Krieger (Hg.): ANThology : ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld: transcript Verl. 2006, S. 237-258.

  4. Andrew Harris (2013): Concrete geographies, City, 17:3, 343-360.